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Rundbrief vom 16.6.2018
    Autor:Werner Huber
    Datum:17.06.2018 16:11:19

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Rundbrief vom 16.6.2018

Liebe Förderer und Freunde,

ein Anblick wie auf dem anliegenden Foto tut mir und Ihnen weh. Kinder müssen unverschuldet in Sambia auf der Strasse leben, weil sie keinen Menschen haben, der sich um sie kümmert. Von den etwa 17 Millionen Einwohnern Sambias sind etwa 1 Million Kinder Vollwaisen, meistens weil die Eltern an AIDS verstorben sind. Das sind etwa 20% aller Kinder. Von diesen sind etwa 6% obdachlos, also etwa 60.000. Dadurch wird das Stadtbild großer Städte wie Lusakas geprägt. Nur etwa 10.000 der Waisenkinder haben das Privileg, in einer beschützten Einrichtung wie Fountain Gate zu leben und haben damit die Chance auf Bildung und ein menschenwürdiges Leben auch als Erwachsene. Für die Zukunft können wir auf etwas bessere Zahlen hoffen, da der Höhepunkt der AIDS-Patientenzahlen inzwischen überschritten ist.

Zuletzt hatten Sie von mir gehört, dass wir von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung die Zusage erhalten hatten, dass wir 50% der Kosten für einen Laborbau in Fountain Gate erhalten, der wiederum eine Voraussetzung dafür ist, dass ein Gymnasium für das Kinderdorf genehmigt wird. Ich hatte darauf aufmerksam gemacht, dass wir die restlichen 50%, nämlich gut 25.000 € als Verein selbst aufbringen müssen. Inzwischen ist viel passiert. Viele von Ihnen haben gespendet, Einige sehr großzügig, das hat mich sehr berührt.

So ist inzwischen das Geld für das erste Labor (was Voraussetzung für die Genehmigung ist) zusammen gekommen und die Arbeiten haben begonnen. Z.Zt. wird an den Fundamenten gearbeitet, das erste Geld wurde von uns dorthin geschickt. Deshalb kann ich Ihnen an dieser Stelle glücklich mitteilen, dass unser Verein die Voraussetzungen schaffen können, dass die begabten Fountain-Gate Kinder zukünftig ein Gymnasium in ihrem Kinderdorf besuchen können, hoffentlich schon ab Anfang 2019. Welch ein Unterschied zu den Kindern, die auf der Strasse leben müssen! Über den Fortgang des Projektes werde ich natürlich weiter berichten.

Kürzlich gab es eine Gerichtsverhandlung um ein Mädchen aus Fountain Gate, das von einer amerikanischen Organisation, wohl zu Werbezwecken, übernommen werden sollte. Das Mädchen sagte vor Gericht, dass sie nur aussagen werde, wenn ihr garantiert wird, dass sie weiter in Fountain Gate bleiben könne. Man sagte es ihr zu und der Richter fragte, warum sie gerne bleiben möchte und sie erzählte, wie wohl sie sich dort fühlt. Das war natürlich ein gutes Zeugnis vor den Behörden und der Öffentlichkeit.

Ein älteres Fountain Gate Mädchen, das wegen guter Leistungen für die gymnasialen Klassen zur Mubuyu Mädchenschule geschickt wurde, hatte dort eine Krise. Sie steht wegen AIDS unter einer RV Therapie. Obwohl sie wusste, dass sie die Tabletten lebenslang nehmen muss, hatte sie alle Tabletten weggelassen. Ich hatte schon öfter über die Krankenschwester „Sweet Berta“ (wirklich ihr Name) berichtet, die ihre Basis in der Mubuyuschule hat. Sie arbeitet für unsere Partner Chreso Ministries und ist wirklich ein Engel für die medizinische Arbeit dort im Bezirk Siavonga. Sie arbeitet aufopferungsvoll mit unwahrscheinlicher Liebe zu den Menschen, ein Geschenk für die Patienten. Zusätzlich ist sie sehr geschickt. Da sie auch erfahrene Hebamme ist, wird sie zu allen schwierigen Geburten gerufen. In letzter Zeit fanden einige komplizierte Geburten durch ihre Hilfe ein glückliches Ende. Da freut sich natürlich das ganze Dorf mit.

Sie hat sich auch des Mädchens angenommen, das die Tabletten weggelassen hatte und konnte die Jugendliche gewinnen und sie dazu bringen, die Therapie wieder zu beginnen. Dazu waren auch div. Blutuntersuchung nötig, bis die Therapie wieder lief. Nicht immer gelingt es nach Therapieabbruch, aber bei dem Mädchen war der Neubeginn glücklicherweise erfolgreich.

Noch einige Kurzmeldungen: Ein Fountain Gate Junge wurde zum Automechaniker ausgebildet und tritt demnächst eine Arbeitsstelle in Lusaka an. Ein ehemaliger Strassenjunge war nach der Schule zum Kellner ausgebildet worden. In diesem Beruf war er aber unterfordert und hat jetzt noch eine Ausbildung in Public Health begonnen, womit er sehr glücklich ist. Vor einem Jahr hatte ich von dem kleinen Jungen O. berichtet, der mit 7 Monaten als das jüngste Kind nach Fountain Gate kam. Er ist jetzt bald 2 Jahre alt, seine Schwester, die mitkam ist etwa 4 Jahre. Beide sind gut in der Einrichtung integriert.

Wie Sie wissen, geben wir auch vorübergehende Lebensmittelhilfen bei neu diagnostizierten bedürftigen und abgemagerten AIDS-Patienten zu Behandlungsbeginn, damit die Krise überstanden wird. Die von unseren beiden Vereinen finanzierten Lebensmittelpakete werden von den Behandlungsstationen in Lusaka und Livingstone abgegeben. Gerade erfuhr ich, dass an beiden Orten bei jeweils 10 Patienten die Gabe der Nahrungsmittel beendet werden konnte, weil es ihnen wieder deutlich besser geht, sodass sie sich wieder selbst helfen können. Deshalb konnte bei 20 neuen unterernährten AIDS-Kranken eine Lebensmittelgabe begonnen werden.

Nicht vergessen: In diesem Jahr feiert der Sambia-Förderverein 25-jähriges Bestehen. Unsere Jahres-Informationsveranstaltung wird am 21.10.2018 um 15 Uhr im Heimathaus in Jesteburg stattfinden. Bitte Termin freihalten, sehr wichtig. Gibt es noch Ideen oder Beiträge für diesen Tag? Für die Schwaben unter den Lesern: am 28.6.2018 halte ich einen Vortrag über unsere Arbeit im Gemeindehaus der Evangelischen Kirche in Kleinsachsenheim (PLZ 74343). Auch dort herzlich willkommen.

Vielen herzlichen Dank für jede Unterstützung

und viele Grüße, Ihr Werner Huber, Vorsitzender