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Rundbrief vom 5.8.2004
    Autor:Werner Huber
    Datum:08.08.2004 14:49:19

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Rundbrief vom 5. August 2004

Liebe Freunde und Mitglieder,

etliche Wochen haben Sie nichts von mir gehört, darf ich nun wieder für einige Minuten um Ihre Auf-merksamkeit bitten? Danke für alle Opferbereitschaft, die ich in diesen vergangenen Wochen trotz der wenigen Infos von mir, erleben durfte. Mein besonderer Dank gilt auch allen Spendern, die schon längere Zeit immer wieder treu spenden, dies hilft uns sehr bei unserer Arbeit. Sie können sich auch weiter darauf verlassen: unser Engagement in Sambia geht ohne Unterbrechung weiter und wir werden auch künftig mit den anvertrauten Mitteln gut haushalten.

Wie bereits mehrfach erwähnt, erweitern wir z.Zt. unsere Schule in Lusaka. Von beiden zu errichtenden Gebäuden sind die Fundamente fertig und dies ist bei dem weichen Boden schon ein wichtiger Meilenstein. Auf die Rückseite dieses Briefes kopiere ich ein Bild der fertigen Fundamente mit der bisherigen Schule im Hintergrund links. Im Herbst 2005 soll alles fertig sein. Die praktische Durchführung des Baues gestaltet sich erwartungsgemäß einfacher, als dies am Karibasee der Fall war. Arbeiter und Material sind in der Stadt wesentlich einfacher zu beschaffen. Allerdings gibt es gerade einen Engpass mit 6-wöchiger Lieferzeit für Zement im ganzen Land.

Vielleicht interessiert Sie das Schicksal des inzwischen 13-jährigen Jedy, der als Fünfjähriger die Schule in Lusaka gleich von Beginn an besuchte und jetzt nach einer langen Odyssee wieder zu den Schülern gehört. Er ist der Sohn der ersten Schulleiterin, die für den Aufbau der Schule mit verantwortlich war und vor vielen Jahren schon verstorben ist. Nach ihrem Tod heiratete der Witwer wieder und starb ebenfalls bald darauf. Dann kam ein Onkel, entführte den Jungen aus der Schule und versteckte ihn im Busch, wo nur bedingt ein Schulbesuch möglich war. Außerdem eignete sich dieser Onkel das Erbe an, das eigentlich Jedy zustand. Durch das Eingreifen der Kirche von Pastor Reutter konnte Jedy kürzlich von der Polizei befreit werden und ist glücklich, daß er wieder in der Schule sein kann. Dort wird er voraussichtlich einen Abschluss machen, der dem Abitur entspricht.

Aber auch über die Karibaschule sind wir sehr froh, die großen Mühen haben sich gelohnt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten erweist sich die Schule als großer Segen für diese Region. Insgesamt beträgt die Schülerzahl z.Zt. 140, mit wachsender Tendenz, davon sind 61 Schülerinnen der Realschule, die im Internat untergebracht sind, für die also die Schule auch Unterbringung und Verpflegung bereit stellt. Die Grundschüler auf dem anliegenden Bild freuen sich gerade über die frisch gefangenen Fische aus dem Karibasee. Inzwischen gibt es 15 Angestellte, die bezahlt werden müssen, davon 8 Lehrer. Trotzdem helfen auch die Kinder in Küche und Garten mit.

Erst nach und nach erfahren wir,  in welch schwierigem Umfeld die Mädchen dieser Schule leben. Von den 61 Internatsmädchen sind 40 - 45 Halb- oder (überwiegend) Vollwaisen. Nur für 5 Kinder kann von den Eltern Schulgeld gezahlt werden. In diesem Zusammenhang ganz herzlichen Dank für die Patenschaften, die einige von Ihnen übernommen haben. Die Schule liegt unmittelbar in einem Gebiet, in dem es 2 Grenzübergänge gibt, über die etwa 80% aller Waren nach Sambia importiert werden. Deshalb ist hier Prostitution bei Mädchen sehr verbreitet. Die LKW-Fahrer müssen bei der Grenzabfertigung etwa 4 Tage warten, bis alle Formalitäten erledigt sind, in dieser Zeit gehen sie auf Mädchensuche. Waisen-Mädchen haben kaum eine andere Möglichkeit, als der Prostitution nachzugehen, wenn sie überleben wollen. Die weite Entfernung zur Stadt und die Tatsache, daß Mädchen in diesem Tonga-Gebiet immer noch stark benachteiligt sind, bieten ihnen keine andere Perspektive. In der Mubuyu-Schule wird ihnen eine geschützte Umgebung angeboten, über die die Mädchen selbst sehr dankbar und glücklich sind. Die meisten Schülerinnen gehen in den Ferien zu ihren Familien, nur etwa 20, die gar keine Angehörigen haben, bleiben in der schulfreien Zeit dort. Dies bedeutet natürlich eine Herausforderung für die Schulleitung weil Personal für Küche und sonstige Versorgung in den Ferien zur Verfügung stehen muss.

------Hilfe! Wer spendet 4 oder 5 Durchlauferhitzer für die Internatshäuser??----------

Denken sie bitte an unsere Veranstaltung am 25. und 26. September im Heimathaus in Jesteburg, jeweils 14 bis 18 Uhr. Es wird wieder eine Ausstellung und Kaffe und Kuchen geben und jeweils um 15 Uhr einen Vortrag, bei dem wir dann Näheres über die Projekte besprechen können. Auch Fragen können Sie gerne mitbringen. Es wird alles mehr in Ruhe stattfinden, als im vergangenen Jahr bei der 10-Jahresfeier. Sie werden wieder interessante aktuelle Bilder sehen können. Helfer für die Vorbereitung und für die Bewirtung und Kuchen backen sind willkommen. An diesen Tagen werde ich unser nächstes Projekt vorstellen, das im Herbst 2005 beginnen könnte, den Bau einer Berufsausbildungsstätte für Waisen in Kapiliomba, etwa 25km östlich von Lusaka.

Vermutlich werden wir auch bald wieder einen Container mit Hilfsgütern nach Sambia schicken. Es stehen schon große Mengen von Bettwäsche, Kleidung, 30 Umzugskartons mit Essgeschirr und PC-Anlagen u.a.m. für den Versand bereit. Falls jemand ein gut erhaltenes kleines Auto für die Mubuyu-Schule spenden könnte (z.B. einen Toyota-Kleinbus, Nissan oder anderen Japaner), wäre dies ein großes Geschenk. Wir könnten dieses wohl im Container mitschicken. Die Schule hatte das alte Ambulanzauto benutzt, das inzwischen völlig kaputt ist. Z.Zt. müssen sie dort auch für kleinere Besorgungen mit einem LKW fahren, was natürlich eine große Menge teuren Treibstoff verbraucht, und das auch für Fahrten zum Einkaufen oder zur ärztlichen Behandlung. Wenn Sie Jemanden kennen, der vielleicht ein solches Auto spenden könnten, fragen sie Ihn bitte!!!

Viele liebe Grüße, Ihr Werner Huber